Hobbies und die Gier

Seit über zwei Jahrzehnten bin ich aktiv im Internet unterwegs. Dabei nicht nur als Nutzer. Ich habe früh angefangen auch eigene Webseiten und Projekte online zu stellen.

Aber immer waren das für mich Hobbies. Etwas, das ich mache, weil es mir Spaß macht. Das ich mache, weil ich es für mich will. Wenn ich heute durch das Internet gehe, dann scheint es den meisten aber nur um Geld zu gehen.

Ich meine damit nicht, dass man Spenden ablehnen sollte. Doch wenn ich auf Twitch sehe, dass ein neuer Streamer mit ein bis zwei Zuschauern nur einen Spendenaufruf in der Beschreibung hat, dann komme ich ins Grübeln.

Wird heute nur noch Content erstellt, um damit Kohle zu machen? Ich bin kein Freund aufdringlicher oder ungekennzeichneter Werbung. Keine meiner Webseiten zeigt Werbung. Warum auch? Die Seiten sind mein Hobby. Klar kostet das Geld, aber das ist bei jedem Hobby so.

Wer käme auf die Idee, dass die Leute auf der Straße einem Geld zuwerfen, nur weil man an ihnen vorbei joggt? Ich nicht.
Aber auf Twitch, YouTube und auch auf vielen Seiten wie Blogs sieht man überall das Gebettel nach Spenden. Patreon und Co machen es möglich.

Warum werden finanzielle Zuwendungen als der einzig richtige Weg der Wertschätzung für ein Hobby empfunden? Es gibt Streamer mit teurer Ausrüstung, die bekommen hunderte bis tausende Euro in einem Stream “gespendet”. Auf der anderen Seite gehen wir gleichgültig an Obdachlosen vorbei und spenden keinen Euro an Hilfsorganisationen.

Ich habe echt Schwierigkeiten, das Thema ordentlich in Worte zu fassen. Dazu regt mich die Erwartungshaltung der Freizeit-Content Creator und ihr Gebettel nach Geld zu sehr auf.

Das heißt nicht, dass ich mich über eine Spende nicht freuen würde, aber seht ihr hier irgendwo eine Möglichkeit mit etwas zu Spenden? Oder Werbung?

Mir reicht es, wenn ich hier meine Gedanken niederschreiben kann. Ein Kommentar hin und wieder ist das Sahnehäubchen. Tut mir einen Gefallen, wenn ihr für welche Aktivität von mir über eine Spende nachdenkt:

Gebt das Geld einem Obdachlosen oder einer Hilfsorganisation. Oder gönnt euch selbst etwas Schönes. Mein Content ist kostenlos und bleibt kostenlos. Von mir, für mich und euch.

Kategorien: Gesellschaft

7 Kommentare

  1. Ich denke, wenn es um Twitch und co geht, geht es heutzutage nicht mehr um Hobbies. Klar, jeder, der irgendwie Spiele spielt, wird damit zuerst als Hobby anfangen, bevor der Schritt zum Streaming gemacht wird. Aber das Ziel ist inzwischen der “Influenzer” Status, mit genug Abonennten, um von den Patreon Beiträgen oder Twitch Spenden leben zu können.

    Und so wie es große Kanäle vormachen, so machen es auch die kleinen nach. Mir persönlich gehen die Youtube-Floskeln auf die Nerven, a la “Gebt mir nen Daumen hoch, lasst einen Kommentar da abonniert mich und klickt auf die kleine Glocke in der Beschreibung sind noch meine Links zu Twitter Patreon Twitch Facebook Instagram Onlyfans” etc (für die authentische Erfahrung stelle dir bitte alles in capslock vor).

    Das gehört inzwischen leider alles dazu, um vom undurchsichtigen Youtube-Algorithmus (bzw dem der jeweiligen Plattform) weiterempfohlen zu werden und die Abozahlen zu erhöhen. Also ja, es wird m.M.n. in den meisten Fällen nur noch Content erstellt, um damit Kohle zu machen. Selbst dann, wenn man gerade erst damit anfängt.

    • Das ist es ja, wenn man eine Größe erreicht hat und das Hauptberuflich machen kann, dann gerne. Aber mit 1-15 Zuschauern nach Spenden und Abos betteln?
      Oder auf YouTube mit < 1.000 Views pro Video nach Spenden bitten?

      • Das ist der Unterschied zwischen denen, die einfach ihr Hobby haben, und denen, die den Traum des Influenzer jagen IMO.
        Jemand mit Hobby ist stolz auf seine Tätigkeiten / sein Wissen und hat ein gewisses Bedürfnis, seine Begeisterung mit anderen zu teilen bzw Wissen zu vermitteln. Diese Leute haben das “frühe” Youtube groß gemacht.

        Inzwischen sind die “Höhen”, die man damit erreichen kann ausgeleuchtet. Jetzt sind es diejenigen, die vorher nur Zuschauer waren, die selber berühmt werden wollen. Diese “neue Welle” der Content Creators hat vielleicht nicht die Begeisterung für das Fachthema, dafür haben sie alle inzwischen herangereiften Techniken des Influenzertums zu ihrer Verfügung.
        Ein Kumpel wollte auch mal einen Youtube Channel aufbauen (sub-0815 Gaming Content), er hat dann nach ~3 Videos zwei Wochen Unterbrechung gehabt und sich dann im vierten erstmal erzählt, wieso es zu der Pause kam. Eins zu eins aus dem Lehrbuch größerer Kanäle, ohne zu verstehen, dass sein Plaudern aus dem Nähkästchen über einem Video aus CoD Gameplay absolut untinteressant ist. Mit nichtmal 20 Abonennten interessiert halt niemanden sein Privatsch***, dafür müsste er bereits eine etablierte Persönlichkeit sein, damit es andere Leute interessiert. Wenn er einen dedizierten Videotagebuch-Channel hätte aufbauen wollen, wäre es vielleicht (vielleicht!) etwas anderes gewesen. Aber so ist schlussendlich nichts daraus geworden und er hat nichtmal zum zwölften Video durchgehalten.

        Das Betteln nach Abos und Spenden fällt in eine ähnliche Sparte. Die Leute verhalten sich wie die großen, weil sie es nicht besser wissen und IMO auch nicht besser können. Dafür wird sich hin und wieder immer mal jemand finden, der ihnen ein paar Euro hinwirft. Nicht genug, um voll 24/7 mit der YT-Karriere durchstarten zu können, aber genug, dass sie nicht mehr mit dem betteln aufhören wollen.

        Der Übergang zwischen den beiden Gruppen kann natürlich fließend sein, aber das “Metagame” von Youtube hat sich halt mit allen nervigen Floskeln etabliert. Was echt Schade ist, aber mir persönlich ist meine Zeit zu schade, als das ich erstmal 5 Minuten giveaways, like & subscribe Aufforderungen und irgendwelche Werbung im eigenen Zweck absitze. Bevor ich zu dem Teil des Videos komme, in dem der Amateur sich durch den interessanten Content haspelt, kann ich auch gleich zu einem größeren Kanal wechseln, bei dem kann ich mich wenigstens besser drauf verlassen, dass sich meine Mühe lohnt.

        • Deshalb mag ich inzwischen die Kanäle von Funk (ÖR).

          • Ah, die kannte ich noch nicht. Ich habe die Kanal-Liste auf funk.net mal überflogen, aber leider erweckt da nur wenig mein Interesse. Für spezifische Hobbies bleibt einem nichts anderes übrig, als sich in die weiten des YTs zu wagen.

          • Was ich davon wirklich empfehlen kann:
            – Simplicissimus
            – MrWissen2Go
            – Kurzgesagt

            Werbefrei und die Qualität ist gut.

  2. Wenn Du auf Twitch eine gewisse Reichweite hast, kommt irgendwann automatisch das Geld. Ich hatte das Glück, mit EVE Online Content schnell zum Affiliate zu werden. Da bekommt man ja schon durch Subs Geld rein. Manch einer sendet aber auch den ein oder anderen Schekel per PayPal. Ich rufe meine Zuschauer nicht dazu auf, mir Geld zu geben und wenn sie es tun, wandert das Geld, genau wie meine kompletten Twitch-Einnahmen zurück ins Game. Sprich, ich kaufe davon PLEX und verschenke sie im Stream an meine Zuschauer. Dabei ist es egal, ob sie einen Sub bei mir haben oder ob sie nur aus Versehen in meinem Stream herum hängen.

    Ich habe einen sehr guten Job und kann mir meinen Unterhalt auch leisten, ohne meinen Zuschauern das Geld aus den Taschen zu labern. Wenn sie mir eine Donation senden, ist das eher für mich ein Zeichen, dass ich etwad richtig mache. Da ich die Knete nicht brauche, bekommt sie dann in Form von PLEX irgendein Zuschauer.

    Ein fairer Deal, wie ich finde.

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