Eine neue Generation Gamer

Als ich meine ersten Spiele gespielt habe waren diese noch sehr einfach gestrickt. Prince of Persia in Monochrome und Super Mario auf dem Gameboy* sind meine ersten Gamingerinnerungen.

Manch einer meiner Leser wird mich dafür belächeln und erzählen, wie viel früher er angefangen hat. Aber ich denke, wir haben eines gemeinsam: Das Spielgefühl und die Erwartung an Spiele.

Natürlich werde auch ich älter und habe andere Prioritäten. Ich spiele nicht mehr jeden Abend von 20:00 Uhr bis 03:00 Uhr Lineage 2 oder suchte 5 Stunden am Stück UT2k4* oder Counter Strike (1.5 und 1.6!). Ich habe einen (derzeit stressigen) Beruf, ich habe eine Freundin und ich habe noch andere Hobbies (okay, eigentlich nicht).

Trotzdem erschreckt es mich, wenn ich von Spielern mit einem Alter von 25 Jahren oder jünger manchmal die Aussagen höre. Oft beziehen sich diese Aussagen auf die sogenannten Season Pässe. Die Teile, welche die Angst, etwas zu verpassen, auslösen sollen und es auch tun. Oft sind es nur kosmetische Dinge, dann ist es mir egal. Wenn es, wie bei Destiny 2* aber um die eigentliche Geschichte des Spiels geht, dann nervt mich das. Ich will nicht gezwungen werden, etwas zu spielen, schon gar nicht auf eine bestimmte Weise.

Aber ich schweife ab. Genau das Gegenteil ist mir in Vampire – The Masquerade: Bloodhunt passiert. Ich mag das Spiel und ich habe es unterstützt, indem ich die 10€ in den Season Pass investiert habe. Wohlwissend, dass meine Spielzeit nicht ausreichen wird, um die Stufe 100 zu erreichen. Aber es ist ja nur Kosmetik, also nicht Spielentscheidend.

Eines Abends hatte ich mir im Discord wieder Mitspieler gesucht und auch gefunden. Natürlich jünger als ich, natürlich beide schon Stufe 100. Nach wenigen Runden kündigte einer der Spieler dann an, dass er offline gehen will. Das Spiel wäre langweilig, seitdem er Level 100 erreicht hat. Es gibt ja keinen Fortschritt mehr und kein Ziel zu erreichen.

Ich habe ihn dann gefragt, ob er keinen Spaß am Spiel hat und wenn nein, warum er es spielt. Seine Antwort: Das Spiel macht ihm sehr Spaß. Er merkt, dass er immer besser wird, aber ihm fehlt der „Fortschritt“. Die Zeit im Spiel fühlt sich verschwendet an und er wolle lieber den Battle Pass in CoD weiterleveln.

Ich denke, er meint nicht Fortschritt, sondern die Karotte vor der Nase. Etwas, dass einen motiviert weiterzuspielen. Da das Spiel kein richtiges Ende hat, hat er sich den Season Pass als Ziel gesetzt. Aber sollte eine Season Pass (oder Battle Pass) die Motivation sein, ein Spiel zu spielen? Gerät man so nicht in den Konflikt, dass man ein schlechtes Spiel spielt, nur um die Level zu füllen. Oder ein gutes Spiel ignoriert, weil es keine Level hat?

Angefangen hat das System mit den freischaltbaren Gegenständen mit Battlefield 2*, wenn ich mich recht erinnere. Wobei man dort extrem viel spielen musste, um alles freizuschalten. Ich hatte es nie geschafft, dort alles freizuschalten. Musste ich auch nicht, das Spiel war auch ohne die Gegenstände gut, abgesehen von den Balancing Problemen.

Aber ich spiele ein Spiel, weil die Mechanik gut ist, oder die Geschichte, oder oder oder. Weil es mir einfach Spaß macht. Ich bin ohne Season Pass aufgewachsen und sehe die deshalb als Zusatz. Es ist eine Möglichkeit den Entwickler über den Kaufpreis hinaus, oder statt diesem, zu unterstützen. Es ist aber ein Zusatz. Wenn ein Season Pass notwendig wird, wie bei Destiny 2* oder in gewissen Teilen bei Black Desert Online, dann stirbt das Spiel für mich.

Aber ich gehöre wohl zur alten Generation. Ich erwarte, dass das Spiel mich motiviert, nicht die Karotte namens Season Pass. Ich würde die Qualität eines Spiels auch nie anhand des Passes bewerten. Andere hingegen rufen dann nach „mehr Content“.

Wie steht ihr zu Season Pässen und der „neuen Generation Gamer“?

Bleibt fluffig!

1 Kommentar

  1. Ich sitze nahe der oberen Grenze der “neuen Generation Gamer”, wie du sie definierst.
    Auf der einen Seite kann ich Season Passes nicht ausstehen. Im besten Fall ist es ein “bezahlen, um für X grinden zu dürfen”, im schlimmsten Fall ein “wenn du damals nicht bezahlt und gegrindet hast, wirst du X nie wieder bekommen”.

    Auf der anderen Seite bevorzuge ich Spiele mit Levelsystem, da hat sich sowohl meine persönliche Einstellung als auch der Spielemarkt im Laufe der Zeit geändert.
    Damals ™ konnte ich mich stundenlang mit Yoshis Island, Pokemon Blau und Asterix & Obelix XXL beschäftigen, aber damals habe ich auch nur alle Jubeljahre ein neues Spiel bekommen, dementsprechend wenig gesehen und hatte den Großteil des Tages dafür zur Verfügung.
    Heutzutage gibt es mehr Spiele auf noch weniger Zeit, wie du schon geschrieben hast. Viele Spielekonzepte sind mir bekannt, Features und Stories stechen nicht mehr heraus. Auswahl macht wählerisch, Pokemon zB interessiert mich nicht mehr.

    Ich will meine knappe Zeit dementsprechend möglichst “gewinnbringend” in ein Spiel investieren, und Levelsysteme sind der ultimative Ausdruck dafür. Egal, wie gut oder schlecht die letzte Runde lief, man sieht immer einen quantifizierbaren Fortschritt, das Belohnungssystem des Gehirns ist zufrieden.
    Ein Spiel, in dem es nichts mehr zu erreichen gibt, reizt diesen Impuls dementsprechend weniger.
    Das macht sich doppelt bemerkbar, das “fertige” Spiel wird weniger verlockend, dafür treten seine Makel stärker hervor, was das Spiel im Vergleich zu einem anderen Titel (wo noch Dinge freischaltbar sind) weniger attraktiv macht.
    Season Pässe verstärken diesen Effekt nur noch, weil sie sich zusätzlich der Fear Of Missing Out sowie der Sunken Cost (Preis für den Pass) bedienen.

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